Hochschule Luzern - Musik, Abteilung Jazz

Neuer Dozent für das Hauptfach Gitarre: KURT ROSENWINKEL


Es freut uns, Kurt Rosenwinkel in unserem Dozierendenteam begrüssen zu dürfen.

Kurt Rosenwinkel wird das bestehende Dozententeam in der Jazzgitarrenabteilung, Roberto Bossard und Christy Doran, in idealer Weise ergänzen.

Ab dem kommenden Semester (März 2004) wird er im Hauptstudium Performance Gitarren- und Ensembleunterricht geben.


Skifahren im Wald

Mit Kurt Rosenwinkel hat die Jazzabteilung der Musikhochschule Luzern einen dicken Fisch an Land gezogen, dürfte er doch der am meisten beachtete Gitarrist der jüngeren Generation sein – zu seinen Fans zählen auch Pat Metheny und John Scofield.

Von Tom Gsteiger

Auf seinen nicht gerade typisch amerikanischen Namen angesprochen, entgegnet Kurt Rosenwinkel, seine Vorfahren stammten ursprünglich aus Deutschland und Norwegen. Und er fügt hinzu: «Dort wären sie besser auch geblieben.» Der innovative Jazzgitarrist lebt seit kurzem in Zürich und unterrichtet an der Jazzabteilung der Musihochschule Luzern. Im Mai 2004 erwartet seine schweizerische Frau das erste Kind. Seiner alten Heimat weint der 1970 in Philadelphia geborene und später via Berklee nach New York dislozierte Musiker keine Träne nach: «Die amerikanische Kultur wird immer künstlicher, unechter. Es geht nur noch um Konsum. Unter diesen Bedingungen soll unser Kind nicht aufwachsen. Hier ist es noch nicht so schlimm. Mir gefällt es, dass die Geschäfte schliessen und man nicht alles rund um die Uhr kaufen kann.»

Seine Rolle als Dozent sieht Rosenwinkel ziemlich pragmatisch: «Ich will den Studierenden helfen, so wie ein Doktor seinen Patienten hilft. Ich habe keinen Masterplan, sondern Erfahrung und Wissen. Dadurch kann ich auf individuelle Probleme eingehen.» Mit seinem Instrument hat sich Rosenwinkel extrem intensiv auseinander gesetzt und ist dabei auch an Grenzen gestossen: «Irgendwann gelangte ich an einen Punkt, an dem mir meine Finger diktieren, was ich hörte.» Um sich von eingeschliffenen Mechanismen zu befreien, wählte Rosenwinkel eine radikale Lösung: Er stimmte seine Gitarre neu. Dadurch habe er die Freiheit zurückgewonnen, wieder ein Anfänger sein zu können: «Ich folgte meinen Ohren und meinem Gefühl.» Inzwischen ist er wieder zur normalen Gitarrenstimmung zurückgekehrt. Seine Erkenntnisse will Rosenwinkel in einem Lehrbuch festhalten, worin auch praktische Aspekte nicht zu kurz kommen sollen. Für ihn ist die Gitarre ein kompliziertes Instrument. So sei zum Beispiel das Griffbrett im Vergleich zur Klaviertastatur total anti-intuitiv aufgebaut, was dazu führe, das Gitarren-Patterns viel schwieriger zu visualisieren seien.

Obwohl er sich zur Zeit eine Rückkehr in die USA nicht vorstellen kann, will Rosenwinkel die Bande zu seinen bisherigen Weggefährten nicht kappen. Er hat also nicht vor, eine Band mit europäischen Musikern ins Leben zu rufen. Im Winter 2004 absolvierte er eine kleine Tournee mit einem Trio, zu dem der Bassist Eric Revis und der Schlagzeuger Jeff Ballard gehören (Letzterer war auch ein Mitglied in Rosenwinkels viel beachtetem, inzwischen aufgelöstem Quartett). Im Repertoire dieses Trios spiegelt sich Rosenwinkels Liebe zur Jazztradition, besteht es doch zu einem guten Teil aus «Great American Songs» bzw. Jazz-Klassikern wie zum Beispiel Clifford Browns «Sandu». Im Trio-Kontext bestehe die Herausforderung für einen Gitarristen in erster Linie darin, einen vollen Sound zu kreieren: «a sound that rings true». Dafür sei es unerlässlich, dass der Bassist möglichst perfekt intoniere, sonst komme es zu unschönen Obertonkollisionen, hält der hellhörige Gitarrist fest. – Mit seinem neuen Quintett, mit dem er im Sommer 2004 die grossen Festivals abklappern wird, will er neue Eigenkompositionen interpretieren. Das Line-Up dieser Band – Brad Mehldau (p), Joshua Redman (sax), Larry Grenadier (b), Ali Jackson (d) – sieht zwar wie eine All-Star-Besetzung aus, doch Rosenwinkel will keine Kompromisse machen, sondern die mit seinem Quartett begonnene Entwicklung konsequent weiterführen.

Als Kind spielte Rosenwinkel Klavier, zur Gitarre griff er im Alter von zwölf Jahren, weil sie elektrisch und laut war. Danach grub er sich durch viele Schichten (u.a. Hardrock, Fusion, Blues) zur Jazztradition hindurch. Unter den Gitarristen hatten es ihm am meisten Pat Metheny und John Scofield angetan, noch detaillierter setzte er sich mit dem Vokabular von Trompetern (Kenny Dorham, Booker Little), Saxofonisten (Sonny Rollins, Cannonball Adderley) und Pianisten (Wynton Kelly, Keith Jarrett) auseinander. Ihm ging es darum, Bereiche zu erkunden, die auf der Gitarre noch nicht völlig ausgeschöpft sind (avancierte Harmonik, agile Linien). Den grössten Eindruck machte die Musik John Coltranes auf Rosenwinkel, an der er die direkte Verbindung zum Herzen und zur Seele sowie die harmonische Komplexität schätzt.

Harmonische Komplexität zählt auch zu den Schlüsselmerkmalen von Rosenwinkels Musik, die auf kühne Weise einen Bogen von lyrischer Versponnenheit zu überhitzter Abstraktion spannt. Die grösste Herausforderung sind für Rosenwinkel Stücke, die zugleich harmonisch komplex und sehr melodiös sind: «In der Improvisation sollte man versuchen, so melodisch wie die Melodie zu spielen. Hat man es gleichzeitig mit anspruchsvollen Harmonien zu tun, so ist das ein bisschen wie Skifahren im Wald. Man muss aufpassen, dass man nicht gegen einen Baum prallt.» Während der Gitarrist mit dem vor vier Jahren erschienenen Album «The Next Step», auf dem sein Quartett mit Mark Turner (ts), Ben Street (b) und Jeff Ballard (d) zu hören ist und das im Zeichen einer anspruchsvollen und progressiven Interplay-Ästhetik steht, viel Kritikerlob einheimsen durfte, hat er mit der aktuellen CD «Heartcore», die das Resultat von mehrmonatigen «Basteleien» im Heimstudio darstellt, Kontroversen ausgelöst. Die Arbeit an dieser stark von einem Indien-Trip inspirierten Aufnahme habe ihn das ganze Gefühlsspektrum zwischen Euphorie und Depression durchschreiten lassen: «Diese CD ist ein grosser persönlicher Erfolg. Die Mainstream-Kritiker haben doch sowieso den Kopf im Sand und wissen nicht, was läuft.» Obwohl er als Performer seinen Schwerpunkt auf den Jazz legt, hat der Musikhörer Rosenwinkel keine Scheuklappen. «Es gibt viele Ströme, in denen man schwimmen kann. Und in allen fliesst dasselbe Wasser», hält er fest.

Kurt Rosenwinkel: Biografische Skizze

Kurt Rosenwinkel kommt am 28. Oktober 1970 in Philadelphia auf die Welt. Als Kind erhält er Klavierunterricht, im Alter von 9 Jahren beginnt er zu komponieren. Drei Jahre später schafft er sich eine elektrische Gitarre an, weil er auf dem Klavier nicht Hardrock spielen kann; zu seinen Inspirationsquellen zählen Bands wie Kiss und AC/DC.

Der Weg zum Jazz führt über Prog-Rock (Yes, Genesis) und Fusion (Spyro Gyra, Weather Report). Rosenwinkel bewundert Gitarristen wie Pat Metheny, John Scofield und Bill Frisell. In Philadelphia nimmt er an Blues-Jams teil. Zu seinen Schulfreunden zählen der Hammond-Organist Joey DeFranceso und der Bassist Christian McBride.

Noch während des Studiums in Berklee wird Rosenwinkel vom Vibrafonisten Gary Burton engagiert. Dank einer Empfehlung von Bill Frisell wird Rosenwinkel von Paul Motian in die Electric Bebop Band geholt, mit der er zahlreiche Alben für die Labels JMT und Winter & Winter aufnimmt.

Nach dem Studium zieht Rosenwinkel 1991 nach New York. Mit seinem Quartett, zu dem Mark Turner (ts), Ben Street (b) und Jeff Ballard gehören, tritt er so gut wie jeden Dienstag im Club Smalls auf, der zu dieser Zeit das «Zentrallabor» einer neuen Szene ist, die mit grosser Selbstverständlichkeit zwischen den Polen Tradition und Innovation pendelt. Aus dieser Szene wachsen Stars wie Brad Mehldau oder Joshua Redman heraus.

Nach jahrelanger Kärrnerarbeit kann Rosenwinkel einen Vertrag mit dem Major-Label Verve (Universal) unterschreiben, für das er bisher die Alben «The Enemies of Energy», «The Next Step» und «Heartcore» aufgenommen hat.

Seit März 2004 unterrichtet Rosenwinkel an der Jazzabteilung der Musikhochschule Luzern. Er ist verheiratet und lebt in Zürich.


Kurt Rosenwinkel Press- & Quote Sheet:

LOS ANGELES TIMES Jazz Review “Guitarist takes a new road: music without bop” By Don Heckman Jazz is not exactly producing iconic figures these days. There are no new Charlie Parkers or Duke Ellingtons striding the 21st century stage. At least not yet. But the good news is that jazz continues to provide a fertile, receptive environment for creative innovation. Guitarist Kurt Rosenwinkel is an interesting case in point. Two or three years ago he was delivering some first-rate, if idiosyncratic, straight-ahead playing, often with saxophonist Mark Turner. But the music he brought to the Jazz Bakery on Wednesday took a considerably more exploratory path. It was possible, in fact, to listen to the Rosenwinkel quartet’s performance as though bebop had never existed – an extraordinary perspective, given the all-pervasive influence of the revolutionary music that emerged in the ‘40s. But there it was: a virtual absence of familiar bop riffs, extended bop harmonies or precise bop rhythms. Instead, Rosenwinkel’s pieces offered turbulent, thickly textured waves of sound, mostly produced by Barney McAll’s impassioned keyboard work. Matthew Penman’s bass laid down structurally compelling ostinato lines, and Jonathan Blake’s drums added rolling layers of rhythm. Ronsenwinkel probed through this colorful gumbo of textures with exotic-sounding melodies, often made more so by his practice of singing, sotto voce, along with his guitar lines. The result, in a set that included several pieces from his just-released album “Heartcore,” was music filled with strangely compelling fascination. Swinging in its own indefinable fashion, open to improvisation unlimited by familiar jazz dialects, Ronsenwinkel’s efforts provided convincing evidence that a new generation of imaginative young jazz artists is fast arriving. (Sept. 5, 2003)

BARNES & NOBLE online review of "Heartcore" by William Pearl Kurt Rosenwinkel went right to the source for this hip-hop-infused jazz project. The daring guitarist brought in Q-Tip -- the noted MC and former member of A Tribe Called Quest -- as co-producer, and his inclusion tipped the scales: Heartcore is Rosenwinkel’s most artistically successful project to date. Marrying studio technology and jazz improvisation has been tricky for even the most ambitious jazz players; Rosenwinkel, to his credit, has found the balance. The beats may be propulsive or trancelike, but the incisive solos from the leader and, notably, tenor saxophonist Mark Turner never get lost in the sonic sauce. The acoustic rhythm section of bassist Ben Street and drummer Jeff Ballard provides the elemental swing, allowing Rosenwinkle and Q-Tip to manipulate the sound world about them. The writing, almost entirely by the guitarist, is particularly strong, giving the recording substance and an enduring interest. It's debatable whether contemporary jazz is heading in the same direction as Rosenwinkel, but if it is, the future is bright. DEMOCRACT AND CHRONICLE (Rochester, NY): "...he is in fact one of the most thought-provoking musicians now in jazz. His concert Saturday at Kilbourn Hall revealed an artist of striking originality. Indeed, his improvisations were like flights of fancy that revealed new textures and colors for guitar..." (June 8, 2003)

PAT METHENY: “I admire the musician who makes the commitment to ask the harder musical questions that transcend the everyday issues of style & idiom. Such is Kurt Rosenwinkel – a thinking guitarist who is working hard to come up with musical answers that meet his own personal criteria of what music is and what it can be”.

JOHN SCOFIELD: “Kurt Rosenwinkel is one of the finest and most creative jazz guitarists playing today”.

JOSHUA REDMAN: “Kurt Rosenwinkel is a man of many musical virtues. His technique is prodigious. His ears are huge. His time is solid. His groove is ferocious. His articulation is precise. His tone is penetrating yet warm. His narrative flow is relaxed yet dynamic. His ideas are often surprising, sometimes shocking, but always compelling and inevitably satisfying. He is an adventurous soloist, an emphatic accompanist, and a poetic composer. He has a refined, delicate feel for texture and a broad, unifying view of architecture. He creates soaring, enchanting melodies. He approaches harmony with sophistication, embraces it with sensitivity, and commands it with bold authority. He phrases comfortably and freely in even the most challenging rhythmic and metric settings. He navigates the complex jazz idiom (not to mention quite a few other musical languages) with fluidity and grace....His music is remarkably interesting to be sure; but it is genuinely, profoundly moving as well”.

ENTERTAINMENT WEEKLY: “One of the most striking new players of his generation”.

JAZZIZ: “One of the brightest lights among the post-Metheny generation”.

JAZZTIMES: “Rosenwinkel has it all”.

BOSTON PHOENIX: “Kurt Rosenwinkel is the young jazz-guitar god of the moment – and with good reason”.

DAILY NEWS (LA): “A fresh, distinctive sound that makes him one of the most exciting jazz players to arrive on the scene in years”.

WASHINGTON POST: “the album readily attests to Rosenwinkel’s artistic individuality”.

PHILADELPHIA WEEKLY: “Kurt Rosenwinkel is one of jazz’s most exhilerating and engaging musicians”.

OTTAWA CITIZEN: “an important disc and its creator a likely trendsetter”.

GAVIN: “this creative venture is just what jazz radio needs”.

J&R MUSICWORLD: “Jazz-guitar’s poetic new leader”

ALLABOUTJAZZ.COM: “A soon to be crowned superstar”.

JAZZONLINE.COM: “One of the new voices in jazz that everyone should know about”.


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